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Wie die Jungfrau zum Kinde, kamen wir etwa 1996 zum Sportschießen. Normalerweise traut man sich ja nicht einfach so in einen Schützenverein, obwohl es in unserer Gegend ja wirklich in fast jedem Kaff einen eigenen Verein mit eigener Schiessanlage gibt. Nein ! Das Schießen hat bei uns leider mittlerweile so etwas Anrüchiges. Einfach kein gutes Image. Auch die Schützen selbst, geben sich in der Regel nicht einfach so zu erkennen - gerade so, als ob es ihnen etwas peinlich wäre.
Da ist es hilfreich, wenn man zufällig von jemanden den man lange kennt plötzlich erfährt dass dieser Mensch ein Schütze ist und in einem nahe gelegenen Verein trainiert. Dieser jemand war in unserem Fall ein lieber Freund und Funkamateur, der gute Gerd der mittlerweile leider wieder zurück in die Gegend um Berlin gezogen ist. Der Gerd hat uns also in SSV Hemsbach eingeführt und uns dort mit dem Pistolenschießen vertraut gemacht.
Beim Pistolenschießen sind wir dann auch geblieben.
Mit den Gewehren kommen wir irgendwie nicht so besonders gut zurecht, aber
bei den Kurzwaffen konnten wir doch einige Erfolge erringen. Und das schlechte
Image trägt das Schießen wirklich zu unrecht !
Eine gute Frage ! Die kann aber jeder nur für sich selbst
beantworten. So viele Schützen ich bis jetzt getroffen habe, so viele
Gründe habe ich für das Schießen kennengelernt. Die Faszination
des Schießens - oder besser des Treffens (denn das ist das tolle an diesem
Sport) - geht durch alle gesellschaftlichen und sozialen Schichten und natürlich
auch über alle Altersstufen. Selbst bis ins hohe Alter kann erfolgreich
geschossen und getroffen werden, da es trotz gegenteiliger landläufiger
Meinung NICHT erforderlich ist, dass man gut sieht. Eine leichte - nicht korrigierte
- Kurzsichtigkeit ist in der Tat eher hilfreich als hinderlich.
Für mich war und ist das Schießen eine fantastische Möglichkeit
einmal abzuschalten und meinen Kopf komplett frei zu bekommen. Denn ohne diese
Konzentration ist ein exakter Treffer kaum möglich. Der Körper muss
beim Pistolenschießen völlig entspannt werden und die Atmung wird für
einige Sekunden beim Zielen völlig eingestellt um die Visierung ruhig
zu bekommen. Dabei läuft die Vorbereitung auf den Schuss nach einiger
Zeit rituell ab und folgt immer dem gleichen Muster der Anspannung, Atmung
und Entspannung. Das ganze ist recht ähnlich dem japanischen Bogenschießen,
denn auch beim Pistolenschießen ist der tatsächliche Treffer nicht unbedingt
das wichtigste an einem guten Schuss. Das versteht aber erst, wenn man es
länger und intensiv betreibt und sich auf das Wettkampfschießen vorbereitet.
Eine Stunde intensiven Trainings - speziell im Großkaliberbereich -
ist körperlich sehr anstrengend und wohl gerade deswegen sehr erholsam.
Der Geist ist völlig entspannt und die Probleme des Tages liegen anschließend
in weiter Distanz.
Da ich zu der Zeit mit dem Schießen anfing als ich in der Endphase meines Informatikstudiums war und auf keine andere Weise mehr richtige Entspannung fand, war für mich das Schießen geradezu Therapie. Der Wunsch bessere Ergebnisse zu erzielen führte nach einiger Zeit dann sogar dazu das Rauchen aufzugeben, weil sich das Rauchen sehr negativ auf die Handruhe auswirkt. Seltsam ist dabei, dass unter den Schützen ein enorm hoher Anteil Raucher festzustellen ist. Dieses Paradoxon habe ich bis jetzt noch nicht entschlüsselt bekommen ...
Apropos Therapie: Bei überaktiven Kindern hat man eine deutliche Verbesserung festgestellt, wenn man sie dem Schiesssport näherbringt. Die Erfordernis kurzzeitig völlig ruhig zu werden, scheint auch nach dem Schießen eine bleibende Verbesserung der Überaktivität zu bewirken.
Also das waren meine Gründe.... Jeder der sich prinzipiell dafür interessiert, sollte seine medial verbauten Vorurteile über Bord werfen und sich selbst einen Eindruck vom Schiesssport machen. Und bitte nicht von einem schlechten Eindruck EINES Schützenvereins dazu verleiten lassen auf alle anderen Vereine zu schließen. Es gibt so viele, dass sich sicherlich einer in der Nähe finden läßt bei dem die Leute sympathisch wirken !
In den Vereinsregistern der Städte und auch auf deren Homepages gibt es Hinweise auf lokale Vereine. Die Schiessanlagen liegen meist außerhalb der Stadt, da die meisten Stände offene Außenanlagen haben und dadurch weithin zu hören sind. Prinzipiell darf jeder in einer genehmigten Schießanlage eines Schützenvereins unter Aufsicht alles schießen was die Vereinswaffen hergeben. Nicht jeder Verein verfügt aber über vereinseigene Waffen. Nicht alle Vereine haben Anlagen, die das Schießen mit scharfer Munition erlauben. Also sollte man sich erkundigen, was denn bei den verschiedenen umgebenden Vereinen überhaupt möglich ist. Das geht am besten vor Ort !
Es ist üblich und absolut sinnvoll, wenn man das Pistolenschießen (und das gilt auch für die Gewehre) mit der günstigsten Variante beginnt - nämlich dem Luftdruck. Fast alle Sportwaffen dieser Art sind heute als Pressluftvarianten erhältlich. Früher der Luftdruck mit einer Feder in der Waffe beim Schuß erzeugt, danach gab es Kohlendioxid-Technik (CO2), die die Arbeit des Hebelspannens überflüssig machen sollte. Die CO2-Technik war und ist aber etwas problematisch und auch nicht ganz billig, so dass sich heute Pressluft mit 200 oder 300 bar Systemen durchgesetzt hat.
Pressluft ist leicht zu beschaffen (im Notfall sogar mit einer
speziellen Handpumpe aufbaubar) und günstig im Vergleich zu CO2. Die
Federdrucksysteme erreichen aber absolut vergleichbare Ergebnisse und sind
somit gleichwertig - wenn auch mühsamer !
Mit diesen Luftpistolen läßt sich das Schießen hervorragend
erlernen, da der exakte Ablauf des Zielens und das sanfte Auslösen des
Schusses mit der langen Visierlinie dieser recht schweren Waffen hervorragend
einstudiert werden kann. Auch sind die Kosten für die Munition sehr gering,
da hier einfach Blei-Diabolos verwendet werden. Das tolle an den Luftdruckwaffen
ist auch, dass sie so gut wie keinen Lärm machen und bei entsprechenden
Sicherheitsvorkehrungen (Achtung: Waffengesetz beachten !) auch zuhause für
das Training geschossen werden können. Jeder Verein der im Dachverband
DSB (Deutscher Schützenbund) Mitglied ist hat so eine Luftpistolenhalle
oder einen Außenstand.
Das Erlernen des Schießens mit Kleinkaliber oder gar mit Großkaliber halte ich für völlig falsch. Durch den Rückstoß ist für den ungeübten Schützen eine Beurteilung des Visierbildes und der korrekten Abzugsauslösung nicht möglich. Eine Verbesserung der Ergebnisse somit nur schwer zu erreichen bzw völlig ausgeschlossen.
Warum sollte es mich scheren welche Dachverbände es gibt
??? Nun die Schützen Landschaft ist in den letzten Jahren kräftig
durchgemischt worden. Dies lag u.a. am Waffengesetz, welches genau regelt
unter welchen Umständen ein Sportschütze eben ein solcher ist und
wie er ein Sportgerät für seine Disziplin bekommen kann. Da stand
dann u.a. dass er nur dann eine Waffe bekommt, wenn er die Waffe zum Schießen
von Wettkämpfen braucht.
Viele Leute bekamen aber nicht die Waffen, die sie wollten, weil es die Disziplinen
die sie schießen wollten, nicht im damals unabgefochten allein regierenden
DSB (Deutscher Schützenbund) gab. Eine neue Disziplin im DSB zu etablieren
ist aufgrund der sehr undemokratischen Strukturen für eine kleine Schützengruppe
kaum realisierbar und so gründeten diese Leute einfach eigene Dachverbände
mit eigenen Disziplinen. Soweit die Kurzfassung.
Viele dieser kleinen Dachverbände haben sich wieder aufgelöst, aber 3 große gibt es weiterhin. Und diese 3 Verbände haben teilweise ganz unterschiedliche Disziplinen. Die machen auch alle Spaß und für alles könnte man eigene Waffen anschaffen, aber kein Verband bietet alles und soviel Zeit hat auch kein Mensch. Deshalb sollte man sich überlegen und vor allem ausprobieren, welche Disziplinen einem Spaß machen und wo man evtl. weiterkommen könnte. Danach sucht man sich dann also den Dachverband aus und sucht sich einen lokalen Verein, der Mitglied in eben diesem Dachverband ist. Selten findet man es dass ein Verein in mehreren Dachverbänden organisiert ist. Also wird man sich ebtscheiden müssen oder so wie ich es getan habe, Mitglied in zwei oder gar mehr Vereinen werden.
Hier die 3 großen mit einer Kurzübersicht der Art der Disziplinen:
DSB
- Deutscher Schützenbund - der Traditionsverband.
Fahnen, Trachten und Brauchtum sind hier keine Seltenheit. Je südöicher
in Deutschland um so ausgeprägter ist das oft. Muss man nicht mögen,
aber akzeptieren sollte man es schon, wenn man da mitmacht.
Die Disziplinen sind die klassischen Kleinkaliberwettbewerbe wie Sportpistole,
Olympische Schnellfeuerpistole, Freie Pistole usw.. Großkaliber kam
erst in den letzten Jahren auf - wahrscheinlich weil die anderen Verbände
gerade das anbieten und einen hohen Zulauf haben. Die Großkaliberdisziplinen
sind alle gleich und unterscheiden sich nur im Kaliber. Sie bestehen aus einem
Präzisionsteil und einem "Schnellfeuerteil" der verglichen
mit anderen Verbänden eher als langsam einzustufen ist. Wer vor allem
GK schießen will, ist hier nicht wirklich gut aufgehoben.
BDS - Bund
Deutscher Sportschützen
Das ist wohl der zweitgrößte Verband in Deutschland. Die Disziplinen
konzentrieren sich vor allem auf das Großkaliberschießen. Die Disziplinen
sind sehr anspruchsvoll und erfordern viel Training um mithalten zu können.
Aber alles macht irre viel Spaß - wohl gerade deswegen. U.a. hat der
BDS das IPSC-Schießen übernommen. Das ist die wohl dynamischste
Pistolendisziplin die bei uns noch erlaubt ist. Hier wird teilweise extrem
schnell und aus verschiedenen Distanzen auf Zeit und Ergebnis geschossen.
Innerhalb eines Durchgangs wird dabei auch die Position des Schützen
gewechselt. Das ist in meinen Augen die Königsdisziplin des Pistolenschießens.
Mehr dazu aber in eigenen Rubrik, da das hier den Rahmen sprengen würde.
BDMP - Bund
der Militär- und Polizeischützen.
Klingt martialisch, ist aber gar nicht so. Ursprünglich bildete sich
dieser Verband aus Polizisten, Soldaten, Reservisten, usw. damit diese Übungsdisziplinen
für ihren Beruf schießen konnten. Später wurden auch eher
sportliche Disziplinen hinzugefügt. U.a. haben die BDMPler den Bianchi-Cup
übernommen, bei dem auf bis zu 50m Distanz geschossen wird. Verschiedene
Positionen, Anschläge, Links und Rechts schießen, auf die laufende
Scheibe auf Zeit und Ergebnis sind hier einige Stichworte. Für's trainieren
einen Stand zu finden, ist durch die hohe Schussdistanz noch schwieriger als
beim IPSC-Schießen.
Endlich im richtigen Verein eingetreten, wird ordentlich trainiert und jede Möglichkeit zur Fortbildung durch einen Trainer genutzt. Eine Luftpistole ist schnell erworben (Mindestalter 18) - eine wettkampffähige Waffe sollte es schon sein (Rat von den anderen Schützen einholen), aber notwendig ist das nicht. Nur wer viel auf überregionale Wettkämpfe fahren will und nicht immer den Verein um eine Leihgabe bitten will oder wer einfach das neuste vom neusten braucht, sollte sich eine eigene LuPi zulegen. Ansonsten reichen die Vereinswaffen völlig aus.
Wer mit der LuPi dann dauerhaft auf einem Schnitt von über 8 Ringen pro Schuss liegt, kann sagen dass er es kapiert hat und kann sich mal mit anderen Disziplinen beschäftigen. Aber jeder gute Schütze kommt zum Trainieren der Basics oder zur Fehleranalyse zurück zum LuPi schießen. Also nicht glauben, dass das eine Stufe ist, die man überschreiten könnte ;-).
Natürlich darf auch hin und wieder mal aus reinem Spaß geschossen werden - so lange das noch erlaubt ist. Da kann man mal mit der LuPi auf den 25m Pistolenstand gehen und gucken, wie sich die Treffpunktlage verändert (man kann da draussen auch mit der LuPi wirklich gut treffen !). Oder man schießt mal auf aufgehängte Coladosen auf dem 25m Stand oder auf eine alte kleine Bratpfanne. Das alles dient auch dem Training, denn bei diesen Gegenständen guckt man nachher nicht ob es eine 7, eine 8 oder eine 9 war. Sondern man konzentriert sich bei einer Pfanne nur darauf, dass man das metallische Plöng hört, wenn sie getroffen wurde. Und siehe da ! Alle Leute die vorher Probleme mit dem Verreissen der einzelner Schüsse hatten, werden feststellen, dass das Problem weg ist ! Beim Schießen auf "lustige Gegenstände" geht meist der Leistungsdruck zurück. Nur noch die saubere Schußlösung ist wichtig, da es ja keine Ringe mehr gibt. Und dieses saube Auslösen ist das Wesentliche beim Schießen ! Nur so kann ein guter Treffer errungen werden.
Und so ist auch das Spaßschießen in Wirklichkeit hartes Training - aber eben mit der nötigen Gelöstheit um es nicht zu merken ;-)
Tja, dann bleibt nur noch ausprobieren. Großkaliber ist
wegen des teilweise enormen Rückschlags völlig anders mental zu
bewerkstelligen als eine Sportpistole im Kaliber .22lfb abzufeuern. Wer damit
nicht klarkommt muss es nicht machen. Andere haben wiederrum keine Lust mit
einer .22er einhändig klitzekleine Löcher ins Papier zu stanzen
sondern schießen lieber mit beiden Händen auf massive Stahlscheiben,
die bei einem Treffer umklappen. Das geht dan halt nur mit eintsprechend viel
Bumms hinter dem Schuss. Was einem liegt findet man nur durch probieren heraus.
Puh ! Eine Menge !
Grundsätzlich kann man vielleicht unterscheiden in ein- und beidhändigen Anschlag. D.h. dass die Waffe entweder nur mit einer Hand oder beliebig - also auch mit beiden Händen - gehalten werden darf. Einhändig hat den Vorteil, dass die Visierlinie zwischen Auge und Korn länger wird. Dadurch kann man genauer zielen. Der Nachteil ist, dass dieser Anschlag viel Kraft und Koordination erfordert, damit der Vorteil auch in einen guten Treffer verwandelt werden kann. Schnelle Großkaliberschüsse sind einhändig nur sehr schwer zu kontrollieren. Daher wird dort meist der beidhändige Anschlag gewählt. Meist in Kombination mit Disziplinen die auch schnelle Schußfolgen erfordern.
Die meisten Disziplinen werden im stehen geschossen und gelten daher als statische Disziplinen. Im Gegensatz zu IPSC oder dem Bianchi-Cup, bei denen sich der Schütze zwischen den Schüssen bewegt und auch Positionen liegend und kniend einnehmen kann oder muss. Diese Disziplinen heissen dynamisch.
An Schützen von dynamischen Disziplinen ist wegen des erhöhten Risikos einer Verletzung von umstehenden werden besondere Sicherheitsanforderungen gestellt. Zudem werden die Runs (das sind die Durchgänge) einzeln geschossen und hinter dem schützen steht ein Marshall bzw. Range Officer, der bei Sicherheitsverstössen den Schützen sofort disqualifiziert und die Entwaffnung sicherstellt.
Und dann gibt es noch unterschiedliche Zielmedien. Die früher ausschließlich benutzen Papierscheiben sind durch Stahlziele unterschiedlichster Formen ergänzt worden. Vereinzelt gibt es auch mal Bowlingpin-Turniere, die im Verhalten aber an Stahlziele erinnern. Gerade die Fallscheiben (Stahlziele die umkippen), können auf Zeit geschossen - evtl. sogar parallel mit mehreren Schützen - richtig Spaß bringen.
Die beste Infoquelle für Disziplinen sind die Sport-Ordnungen der jeweiligen Dachverbände.
