Sportschießen

49 von 50 mit .45ACP auf 25m

Wie die Jungfrau zum Kinde, kamen wir etwa 1996 zum Sportschießen. Normalerweise traut man sich ja nicht einfach so in einen Schützenverein, obwohl es in unserer Gegend ja wirklich in fast jedem Kaff einen eigenen Verein mit eigener Schiessanlage gibt. Nein ! Das Schießen hat bei uns leider mittlerweile so etwas Anrüchiges. Einfach kein gutes Image. Auch die Schützen selbst, geben sich in der Regel nicht einfach so zu erkennen - gerade so, als ob es ihnen etwas peinlich wäre.

Da ist es hilfreich, wenn man zufällig von jemanden den man lange kennt plötzlich erfährt dass dieser Mensch ein Schütze ist und in einem nahe gelegenen Verein trainiert. Dieser jemand war in unserem Fall ein lieber Freund und Funkamateur, der gute Gerd der mittlerweile leider wieder zurück in die Gegend um Berlin gezogen ist. Der Gerd hat uns also in SSV Hemsbach eingeführt und uns dort mit dem Pistolenschießen vertraut gemacht.

Beim Pistolenschießen sind wir dann auch geblieben. Mit den Gewehren kommen wir irgendwie nicht so besonders gut zurecht, aber bei den Kurzwaffen konnten wir doch einige Erfolge erringen. Und das schlechte Image trägt das Schießen wirklich zu unrecht !

Warum Schießen ?

Wo kann ich das lernen ?

Welche Verbände gibt es und warum mich das interessiert ?

Wie geht es dann weiter ?

Welche Disziplinen gibt es ?

 

 

Warum Schießen ?

Eine gute Frage ! Die kann aber jeder nur für sich selbst beantworten. So viele Schützen ich bis jetzt getroffen habe, so viele Gründe habe ich für das Schießen kennengelernt. Die Faszination des Schießens - oder besser des Treffens (denn das ist das tolle an diesem Sport) - geht durch alle gesellschaftlichen und sozialen Schichten und natürlich auch über alle Altersstufen. Selbst bis ins hohe Alter kann erfolgreich geschossen und getroffen werden, da es trotz gegenteiliger landläufiger Meinung NICHT erforderlich ist, dass man gut sieht. Eine leichte - nicht korrigierte - Kurzsichtigkeit ist in der Tat eher hilfreich als hinderlich.
Für mich war und ist das Schießen eine fantastische Möglichkeit einmal abzuschalten und meinen Kopf komplett frei zu bekommen. Denn ohne diese Konzentration ist ein exakter Treffer kaum möglich. Der Körper muss beim Pistolenschießen völlig entspannt werden und die Atmung wird für einige Sekunden beim Zielen völlig eingestellt um die Visierung ruhig zu bekommen. Dabei läuft die Vorbereitung auf den Schuss nach einiger Zeit rituell ab und folgt immer dem gleichen Muster der Anspannung, Atmung und Entspannung. Das ganze ist recht ähnlich dem japanischen Bogenschießen, denn auch beim Pistolenschießen ist der tatsächliche Treffer nicht unbedingt das wichtigste an einem guten Schuss. Das versteht aber erst, wenn man es länger und intensiv betreibt und sich auf das Wettkampfschießen vorbereitet.
Eine Stunde intensiven Trainings - speziell im Großkaliberbereich - ist körperlich sehr anstrengend und wohl gerade deswegen sehr erholsam. Der Geist ist völlig entspannt und die Probleme des Tages liegen anschließend in weiter Distanz.

Da ich zu der Zeit mit dem Schießen anfing als ich in der Endphase meines Informatikstudiums war und auf keine andere Weise mehr richtige Entspannung fand, war für mich das Schießen geradezu Therapie. Der Wunsch bessere Ergebnisse zu erzielen führte nach einiger Zeit dann sogar dazu das Rauchen aufzugeben, weil sich das Rauchen sehr negativ auf die Handruhe auswirkt. Seltsam ist dabei, dass unter den Schützen ein enorm hoher Anteil Raucher festzustellen ist. Dieses Paradoxon habe ich bis jetzt noch nicht entschlüsselt bekommen ...

Apropos Therapie: Bei überaktiven Kindern hat man eine deutliche Verbesserung festgestellt, wenn man sie dem Schiesssport näherbringt. Die Erfordernis kurzzeitig völlig ruhig zu werden, scheint auch nach dem Schießen eine bleibende Verbesserung der Überaktivität zu bewirken.

Also das waren meine Gründe.... Jeder der sich prinzipiell dafür interessiert, sollte seine medial verbauten Vorurteile über Bord werfen und sich selbst einen Eindruck vom Schiesssport machen. Und bitte nicht von einem schlechten Eindruck EINES Schützenvereins dazu verleiten lassen auf alle anderen Vereine zu schließen. Es gibt so viele, dass sich sicherlich einer in der Nähe finden läßt bei dem die Leute sympathisch wirken !

 

Wo kann ich das lernen ?

In den Vereinsregistern der Städte und auch auf deren Homepages gibt es Hinweise auf lokale Vereine. Die Schiessanlagen liegen meist außerhalb der Stadt, da die meisten Stände offene Außenanlagen haben und dadurch weithin zu hören sind. Prinzipiell darf jeder in einer genehmigten Schießanlage eines Schützenvereins unter Aufsicht alles schießen was die Vereinswaffen hergeben. Nicht jeder Verein verfügt aber über vereinseigene Waffen. Nicht alle Vereine haben Anlagen, die das Schießen mit scharfer Munition erlauben. Also sollte man sich erkundigen, was denn bei den verschiedenen umgebenden Vereinen überhaupt möglich ist. Das geht am besten vor Ort !

Es ist üblich und absolut sinnvoll, wenn man das Pistolenschießen (und das gilt auch für die Gewehre) mit der günstigsten Variante beginnt - nämlich dem Luftdruck. Fast alle Sportwaffen dieser Art sind heute als Pressluftvarianten erhältlich. Früher der Luftdruck mit einer Feder in der Waffe beim Schuß erzeugt, danach gab es Kohlendioxid-Technik (CO2), die die Arbeit des Hebelspannens überflüssig machen sollte. Die CO2-Technik war und ist aber etwas problematisch und auch nicht ganz billig, so dass sich heute Pressluft mit 200 oder 300 bar Systemen durchgesetzt hat.

Pressluft ist leicht zu beschaffen (im Notfall sogar mit einer speziellen Handpumpe aufbaubar) und günstig im Vergleich zu CO2. Die Federdrucksysteme erreichen aber absolut vergleichbare Ergebnisse und sind somit gleichwertig - wenn auch mühsamer !
Mit diesen Luftpistolen läßt sich das Schießen hervorragend erlernen, da der exakte Ablauf des Zielens und das sanfte Auslösen des Schusses mit der langen Visierlinie dieser recht schweren Waffen hervorragend einstudiert werden kann. Auch sind die Kosten für die Munition sehr gering, da hier einfach Blei-Diabolos verwendet werden. Das tolle an den Luftdruckwaffen ist auch, dass sie so gut wie keinen Lärm machen und bei entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen (Achtung: Waffengesetz beachten !) auch zuhause für das Training geschossen werden können. Jeder Verein der im Dachverband DSB (Deutscher Schützenbund) Mitglied ist hat so eine Luftpistolenhalle oder einen Außenstand.

Das Erlernen des Schießens mit Kleinkaliber oder gar mit Großkaliber halte ich für völlig falsch. Durch den Rückstoß ist für den ungeübten Schützen eine Beurteilung des Visierbildes und der korrekten Abzugsauslösung nicht möglich. Eine Verbesserung der Ergebnisse somit nur schwer zu erreichen bzw völlig ausgeschlossen.

 

Welche Verbände gibt es und warum mich das interessiert ?

Warum sollte es mich scheren welche Dachverbände es gibt ??? Nun die Schützen Landschaft ist in den letzten Jahren kräftig durchgemischt worden. Dies lag u.a. am Waffengesetz, welches genau regelt unter welchen Umständen ein Sportschütze eben ein solcher ist und wie er ein Sportgerät für seine Disziplin bekommen kann. Da stand dann u.a. dass er nur dann eine Waffe bekommt, wenn er die Waffe zum Schießen von Wettkämpfen braucht.
Viele Leute bekamen aber nicht die Waffen, die sie wollten, weil es die Disziplinen die sie schießen wollten, nicht im damals unabgefochten allein regierenden DSB (Deutscher Schützenbund) gab. Eine neue Disziplin im DSB zu etablieren ist aufgrund der sehr undemokratischen Strukturen für eine kleine Schützengruppe kaum realisierbar und so gründeten diese Leute einfach eigene Dachverbände mit eigenen Disziplinen. Soweit die Kurzfassung.

Viele dieser kleinen Dachverbände haben sich wieder aufgelöst, aber 3 große gibt es weiterhin. Und diese 3 Verbände haben teilweise ganz unterschiedliche Disziplinen. Die machen auch alle Spaß und für alles könnte man eigene Waffen anschaffen, aber kein Verband bietet alles und soviel Zeit hat auch kein Mensch. Deshalb sollte man sich überlegen und vor allem ausprobieren, welche Disziplinen einem Spaß machen und wo man evtl. weiterkommen könnte. Danach sucht man sich dann also den Dachverband aus und sucht sich einen lokalen Verein, der Mitglied in eben diesem Dachverband ist. Selten findet man es dass ein Verein in mehreren Dachverbänden organisiert ist. Also wird man sich ebtscheiden müssen oder so wie ich es getan habe, Mitglied in zwei oder gar mehr Vereinen werden.

Hier die 3 großen mit einer Kurzübersicht der Art der Disziplinen:

DSB - Deutscher Schützenbund - der Traditionsverband.
Fahnen, Trachten und Brauchtum sind hier keine Seltenheit. Je südöicher in Deutschland um so ausgeprägter ist das oft. Muss man nicht mögen, aber akzeptieren sollte man es schon, wenn man da mitmacht.
Die Disziplinen sind die klassischen Kleinkaliberwettbewerbe wie Sportpistole, Olympische Schnellfeuerpistole, Freie Pistole usw.. Großkaliber kam erst in den letzten Jahren auf - wahrscheinlich weil die anderen Verbände gerade das anbieten und einen hohen Zulauf haben. Die Großkaliberdisziplinen sind alle gleich und unterscheiden sich nur im Kaliber. Sie bestehen aus einem Präzisionsteil und einem "Schnellfeuerteil" der verglichen mit anderen Verbänden eher als langsam einzustufen ist. Wer vor allem GK schießen will, ist hier nicht wirklich gut aufgehoben.

BDS - Bund Deutscher Sportschützen
Das ist wohl der zweitgrößte Verband in Deutschland. Die Disziplinen konzentrieren sich vor allem auf das Großkaliberschießen. Die Disziplinen sind sehr anspruchsvoll und erfordern viel Training um mithalten zu können. Aber alles macht irre viel Spaß - wohl gerade deswegen. U.a. hat der BDS das IPSC-Schießen übernommen. Das ist die wohl dynamischste Pistolendisziplin die bei uns noch erlaubt ist. Hier wird teilweise extrem schnell und aus verschiedenen Distanzen auf Zeit und Ergebnis geschossen. Innerhalb eines Durchgangs wird dabei auch die Position des Schützen gewechselt. Das ist in meinen Augen die Königsdisziplin des Pistolenschießens. Mehr dazu aber in eigenen Rubrik, da das hier den Rahmen sprengen würde.

BDMP - Bund der Militär- und Polizeischützen.
Klingt martialisch, ist aber gar nicht so. Ursprünglich bildete sich dieser Verband aus Polizisten, Soldaten, Reservisten, usw. damit diese Übungsdisziplinen für ihren Beruf schießen konnten. Später wurden auch eher sportliche Disziplinen hinzugefügt. U.a. haben die BDMPler den Bianchi-Cup übernommen, bei dem auf bis zu 50m Distanz geschossen wird. Verschiedene Positionen, Anschläge, Links und Rechts schießen, auf die laufende Scheibe auf Zeit und Ergebnis sind hier einige Stichworte. Für's trainieren einen Stand zu finden, ist durch die hohe Schussdistanz noch schwieriger als beim IPSC-Schießen.


Wie geht es dann weiter ?

Endlich im richtigen Verein eingetreten, wird ordentlich trainiert und jede Möglichkeit zur Fortbildung durch einen Trainer genutzt. Eine Luftpistole ist schnell erworben (Mindestalter 18) - eine wettkampffähige Waffe sollte es schon sein (Rat von den anderen Schützen einholen), aber notwendig ist das nicht. Nur wer viel auf überregionale Wettkämpfe fahren will und nicht immer den Verein um eine Leihgabe bitten will oder wer einfach das neuste vom neusten braucht, sollte sich eine eigene LuPi zulegen. Ansonsten reichen die Vereinswaffen völlig aus.

Wer mit der LuPi dann dauerhaft auf einem Schnitt von über 8 Ringen pro Schuss liegt, kann sagen dass er es kapiert hat und kann sich mal mit anderen Disziplinen beschäftigen. Aber jeder gute Schütze kommt zum Trainieren der Basics oder zur Fehleranalyse zurück zum LuPi schießen. Also nicht glauben, dass das eine Stufe ist, die man überschreiten könnte ;-).

Natürlich darf auch hin und wieder mal aus reinem Spaß geschossen werden - so lange das noch erlaubt ist. Da kann man mal mit der LuPi auf den 25m Pistolenstand gehen und gucken, wie sich die Treffpunktlage verändert (man kann da draussen auch mit der LuPi wirklich gut treffen !). Oder man schießt mal auf aufgehängte Coladosen auf dem 25m Stand oder auf eine alte kleine Bratpfanne. Das alles dient auch dem Training, denn bei diesen Gegenständen guckt man nachher nicht ob es eine 7, eine 8 oder eine 9 war. Sondern man konzentriert sich bei einer Pfanne nur darauf, dass man das metallische Plöng hört, wenn sie getroffen wurde. Und siehe da ! Alle Leute die vorher Probleme mit dem Verreissen der einzelner Schüsse hatten, werden feststellen, dass das Problem weg ist ! Beim Schießen auf "lustige Gegenstände" geht meist der Leistungsdruck zurück. Nur noch die saubere Schußlösung ist wichtig, da es ja keine Ringe mehr gibt. Und dieses saube Auslösen ist das Wesentliche beim Schießen ! Nur so kann ein guter Treffer errungen werden.

Und so ist auch das Spaßschießen in Wirklichkeit hartes Training - aber eben mit der nötigen Gelöstheit um es nicht zu merken ;-)

Tja, dann bleibt nur noch ausprobieren. Großkaliber ist wegen des teilweise enormen Rückschlags völlig anders mental zu bewerkstelligen als eine Sportpistole im Kaliber .22lfb abzufeuern. Wer damit nicht klarkommt muss es nicht machen. Andere haben wiederrum keine Lust mit einer .22er einhändig klitzekleine Löcher ins Papier zu stanzen sondern schießen lieber mit beiden Händen auf massive Stahlscheiben, die bei einem Treffer umklappen. Das geht dan halt nur mit eintsprechend viel Bumms hinter dem Schuss. Was einem liegt findet man nur durch probieren heraus.

Welche Disziplinen gibt es ?

Puh ! Eine Menge !

Grundsätzlich kann man vielleicht unterscheiden in ein- und beidhändigen Anschlag. D.h. dass die Waffe entweder nur mit einer Hand oder beliebig - also auch mit beiden Händen - gehalten werden darf. Einhändig hat den Vorteil, dass die Visierlinie zwischen Auge und Korn länger wird. Dadurch kann man genauer zielen. Der Nachteil ist, dass dieser Anschlag viel Kraft und Koordination erfordert, damit der Vorteil auch in einen guten Treffer verwandelt werden kann. Schnelle Großkaliberschüsse sind einhändig nur sehr schwer zu kontrollieren. Daher wird dort meist der beidhändige Anschlag gewählt. Meist in Kombination mit Disziplinen die auch schnelle Schußfolgen erfordern.

Die meisten Disziplinen werden im stehen geschossen und gelten daher als statische Disziplinen. Im Gegensatz zu IPSC oder dem Bianchi-Cup, bei denen sich der Schütze zwischen den Schüssen bewegt und auch Positionen liegend und kniend einnehmen kann oder muss. Diese Disziplinen heissen dynamisch.

An Schützen von dynamischen Disziplinen ist wegen des erhöhten Risikos einer Verletzung von umstehenden werden besondere Sicherheitsanforderungen gestellt. Zudem werden die Runs (das sind die Durchgänge) einzeln geschossen und hinter dem schützen steht ein Marshall bzw. Range Officer, der bei Sicherheitsverstössen den Schützen sofort disqualifiziert und die Entwaffnung sicherstellt.

Und dann gibt es noch unterschiedliche Zielmedien. Die früher ausschließlich benutzen Papierscheiben sind durch Stahlziele unterschiedlichster Formen ergänzt worden. Vereinzelt gibt es auch mal Bowlingpin-Turniere, die im Verhalten aber an Stahlziele erinnern. Gerade die Fallscheiben (Stahlziele die umkippen), können auf Zeit geschossen - evtl. sogar parallel mit mehreren Schützen - richtig Spaß bringen.

Die beste Infoquelle für Disziplinen sind die Sport-Ordnungen der jeweiligen Dachverbände.

 

143 von 150 mit .22lfb SpoPi auf 25m

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