IPSC

Praktisches Pistolenschiessen

Beim Absolvieren einer Stage mit meiner Taurus PT1911

Was ist das denn? IPSC?

Es steht für International Practical Shooting Confederation, vielleicht mit Dachverband für praktisches Schiessen übersetzt werden kann.
Aber es ist viel mehr als das. IPSC definiert eine dynamische Art des Pistolenschiessens (ja, auch Flinte und Gewehr, was mich aber noch nicht so interessiert), wie sie in meiner Auffassung einmalig ist und den ultimativen Spassfaktor bringt. Voraussetzung ist natürlich, dass man die grundlegenden Herausforderungen des Grosskaliberschiessens gemeistert hat. Eine sichere Handhabung der Waffe und eine kontrollierte Schussabgabe ist unabdingbar bevor man sich sinnvoll mit IPSC beschäftigen kann.
In den USA wird IPSC übrigens von der USPSA, der United States Practical Shooting Association verwaltet. Diese betreibt das Klassifizierungssystem, das unterschiedlich qualifizierte Schützen in Gruppen einteilt, damit bei Wettkämpfen Teilnehmer ähnlicher Leistungs- und Altersgruppen gegeneinander antreten können.

Was ist nun so toll an IPSC?
Im Gegensatz zum statischen Pistolenschiessen, welches die Grundvoraussetzung für IPSC (gesprochen: Ipsick) ist, geht es hier nicht nur um das Erzielen möglichst hoher Ringzahlen in relativ unbegrenzter Zeit. Das Ziel ist vielmehr die Verschmelzung gegensätzlicher Ziele, Präzision, Kraft und Geschwindigkeit oder Diligentia, Vis, Celeritas auf Latein. Deshalb steht DVC für das Motto von IPSC.
Es geht nun also darum, die Ziele mit grösster Präzision zu treffen, dabei aber so schnell wie möglich den Parcour abzuschliessen und die eigenen Kräfte zu kennen und optimal einzusetzen.

Um letzteres einbringen zu können, wird IPSC nicht auf Festdistanz Schiessständen geschossen, sondern auf völlig freien Mehrdistanz-Schiessständen. Diese werden mit mehreren Zielen versehen, Papier- und Stahl-Ziele, statisch und reaktiv. Die Distanzen und Schusswinkel, sind variabel und bei einem guten Design gibt eine solche "Stage" dem Schützen verschiedene Möglichkeiten die Aufgabe (alle Ziele zu beschiessen) zu lösen.
Dabei ist es natürlich wichtig, dass der Schütze seine Fähigkeiten einschätzen und diese optimal einsetzen kann, um das beste Ergebnis in der geringsten Zeit zu erzielen.

Da es "praktisch" sein soll, schiesst man nicht mehreren anderen Schützen gleichzeitig auf dem gleichen Stand, sondern ist der einzige Schütze, gesichert von einem Range Officer (RO), der sicherstellt, dass man nichts Unsicheres tut. Und der einem notfalls auch disqualifiziert, sollte man sich oder andere gefährden.
Die Waffe wird vor dem Schiessen auf Anweisung des RO geladen und schussbereit gemacht und geholstert. Auf ein akustisches Signal hin, wird die Waffe gezogen und die Stage nach eigenem Konzept "abgearbeitet". Die benötigte Zeit und die erzielten Treffer definieren hernach, wie gut man das im Vergleich zu anderen geschafft hat. Dabei ist die massgebliche Zahl der Hit-Factor welches der Quotient aus erziehlten Punkten geteilt durch die benötigten Sekunden ergibt.
Es gibt andere Scoring-Methoden in IPSC und andere Vorgaben wie die Waffe zu erreichen ist, aber dies ist die häfigste Methode.

Bedauerlicherweise ist das IPSC Schiessen in Deutschland strengstens reglementiert. Nicht nur, dass es kaum geeignete Schiessstände gibt, die sich dafür eignen (Mehrdistanz) und der Dachverband in DL (BDS) einen Sicherheits- und Regeltest vorschreibt, um überhaupt an IPSC Wettbewerben teilnehmen zu dürfen, auch sieht die Legislative solche Aktivitäten nur ungern und sieht Parallelen zum verbotenen "Combat"-Schiessen.
Unsere europäischen Nachbarn Frankreich, Schweiz, Italien, Spanien und einige östliche Staaten, haben da weniger Probleme mit.
So kommt es, dass es in Deutschland den IPSC Schützen verboten ist, in der Bewegung zu schiessen. Ebenso ist es damit Match-Designern und -Veranstaltern untersagt, Stages zu entwerfen bei denen das Schiessen im Lauf oder in der Bewegung gestattet wäre. Eine Einschränkung, die nicht nur den Spass mindert, sondern die ganze Idee des IPSC über den Haufen wirft.

Ich hatte aus diesen Gründen in Deutschland zwar immer mit dem Gedanken gespielt, mich auf IPSC zu konzentrieren, aber da ich für dieses alles andere hätte aufgeben müssen, es dann doch nie wirklich verfolgt.
Seit ich in den USA bin, ist das natürlich anders :-)
Nach 3 Monaten in Tucson, konnte ich mir legal eine geeignete Waffe anschaffen und seitdem ich es einmal in meinem lokalen Club probiert habe, lässt es mich nicht mehr los. Zum Glück hatte ich eine gute Schiessausbildung in Deutschland und war entsprechend sicher im Umgang mit meiner .45'er. Auch meine Präzision ist mehr als gut im Vergleich zu meinen amerikanischen Kollegen. Jetzt arbeite ich daran die Geschwindigkeit zu erreichen ohne die Treffgenauigkeit zu vernachlässigen und mich so gut kennenzulernen und meine Fähigkeiten einzuschätzen, dass ich eine Stage für mich optimal lösen kann.

Nach den vielen lokalen Matches im Verein, war ich nun auf meinem ersten richtigen auswärtigen Match in New Mexico und habe zumindest nicht als letzter abgeschlossen :).

Wer die Gelegenheit hat, IPSC mal zu probieren oder auch nur zu beobachten, sollte dies unbedingt tun!!!